EDM und Techno, zwei Genres die sich sehr ähnlich sind, aber eigentlich kaum unterschiedlicher sein könnten. Mit seiner Message Fuck EDM hat Oliver Koletzki kürzlich für Aufregung gesorgt. In einem Interview bei Die Welt hat sich der Berliner Producer und Inhaber des Labels Stil vor Talent über das EDM Genre ausgekotzt und verteidigt die deutsche Underground Szene.

EDM – was ist das eigentlich?

EDM ist ein sehr weitläufiger Begriff, den es zumindest nach heutiger Wahrnehmung noch nicht allzu lange gibt. Pragmatisch wird damit elektronische Musik bezeichnet – Electronic Dance Music – tatsächlich verbirgt sich dahinter aber viel mehr als nur ein Sammelbegriff von elektronischen Musikgenres. EDM stößt grade hierzulande aus einigen Lagern auf große Ablehnung und das liegt daran, dass EDM zu einem Marketing Instrument umfunktioniert wurde und sich kaum noch der Musik widmet.

Jeder bekommt, was er will

Die Techno Kultur ist in Deutschland wie in kaum einem anderen europäischen Land vertreten. In Techno Clubs und auf Open Airs wird meist friedlich zusammen gefeiert, die Musik steht im Vordergrund. EDM Festivals in Nordamerika sehen da schon ganz anders aus, so auch Koletzki. Der Fokus liegt auf dem Rahmenprogramm, die Besucher wollen etwas geboten bekommen.

Bei solchen Vergleichen sollte man jedoch zumindest einmal das große Ganze betrachten. Die USA und Deutschland sind zwei Länder, die kulturell kaum unterschiedlicher sein könnten. Dafür muss man kein Experte sein. Die bescheidenen Tugenden aus dem Land der Dichter und Denken stehen im krassen Gegensatz zur amerikanischen supersize Kultur. Dazu kommt, dass jugendliche aus beiden Ländern eben auch sehr unterschiedlich feiern.

Wer in Hamburg, Berlin oder anderen Städten in einem ordentlichen Techno Schuppen absteigt, wird vor 2 Uhr keinen nennenswerten Abend erlebt haben. Um die Uhrzeit ist in den meisten amerikanschien Städten übrigens schon Feierabend. Hinzu kommen die verschiedenen Gesetze, die es jugendlichen unter 21 bzw. allen anderen in der Öffentlichkeit verbieten zu trinken. Wer so sehr an der kurzen Leine gehalten wird, muss seinen Abend eben auf wenige Stunden und eine einzige Lokalität begrenzen. Das habe ich selber schon einmal in einem College Vorort von Chicago kennen gelernt. Hier steht nicht mehr die Musik im Vorgergrund, sondern die Unterhaltung – respektive Ausrasten. Das weiß die amerikanische Unterhaltungsindustrie selber allzu gut und richtet seine Shows eben darauf aus.

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Wie in jeder Argumentation sollte man sich allerdings auch einmal den gegensätzlichen Standpunkt anhören. Viele Amerikaner, insbesondere Anhänger der EDM Kultur können mit europäischer House Musik bzw. deutschem Techno nicht allzu viel anfangen. Stupide, flach und langweilig sind Aussagen, die ich mir als Reaktion auf meine Playlists zum Pregame anhören musste. Und zugegebenermaßen in die Kulisse von Testosteron vollgepumpten halbstarken, die sich Bierbongs in den Rachen stecken und mit 21 das erste mal einen Club von innen sehen, passt ein legerer Techno Sound nicht wirklich rein.

Trotzdem muss man EDM nicht grundsätzlich schlecht reden. Hier gilt das Prinzip Leben und Leben lassen. Die amerikanischen Jugendlichen brauchen halt das Maximum an Druckbeschallung und unterhaltsamen Rahmenprogramm, wohingegen wir es hierzulande mit House und Techno etwas kultivierter angehen. Das sind einfach unterschiede, die es in beiden Ländern gibt, eine schöne Analogie dazu sind übrigens die Wahlkämpfe.

In Deutschland kann das so nicht funktionieren

Das belgische Tomorrowland Festival ist mit Abstand das größte EDM Festival Europas. Jedes Jahr sind die Karten in kürzester Zeit ausverkauft und Musikfans aus ganz Europa pilgern nach Belgien. Auch in Deutschland sind z.B. auf dem Airbeat diverse EDM Stars vertretet. Die Nachfrage ist in nicht allzu geringem Umfang also auch hierzulande vorhanden.Trotzdem denke ich, dass das Konzept EDM in Deutschland langfristig nicht funktionieren wird. In Amerika wird eben die o.g. Nachfrage nach massiven Festivals und epischen Shows bedient, um die Gemüter unausgelasteter College Kids zu bedienen. Die gibt’s hier auch, aber in anderen Dimensionen.

Bilder: Godzona

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