Berlin in all seinen Facetten. Treffend vermittelt Brando den Zeitgeist der pulsierenden Metropole. Zwischen Arabischen Cafés und Admiralspalast, DDR-Nostalgie und 1. Mai-Demonstration arbeitet er stets mit einem Auge fürs Detail die vielen Anziehungspunkte und Widersprüchlichkeiten heraus, die diese Stadt so lebenswert machen. Am 1. April erscheint nun sein Debüt-Album „Nur der Anfang“. Vorab gab es als Auskopplung schon mal die stimmige Single „Berlin an der Spree“ über die wir hier berichteten. Ein spannendes Release – Zeit für ein Gespräch.

Welche Aspekte sind dir generell wichtig wenn du Texte schreibst?

Am Anfang muss mindestens eine Stimmung, eine Atmosphäre oder einfach ein Bild im Kopf entstehen. Das kann anfangs völlig vage oder diffus sein. Die Bilder verdichten sich dann im weiteren Prozess und irgendwann entsteht daraus eine Geschichte. Generell finde ich Texte cool – die viel sagen ohne dabei auf einen völlig komplexen Wortschatz zurückzugreifen. Die Sprache muss vor allem „easy to digest“ sein. Das versuche ich auch immer im Auge zu haben. Die Kunst ist aber meiner Ansicht nach – wenn man es schafft etwas Echtes in einen Text einzubauen, ohne dabei die Seele zu verkaufen und eben nicht zu offenbaren wo Realität endet und Fiktion beginnt.

Welchen Stellenwert hat Poetry Slam bei deiner Musik?

In der Anfangszeit habe ich einfach seitenweise Texte zu einer Geschichte geschrieben ohne dabei auf eine gängige Song-Schablone aus Strophen, Refrains und C-Part’s Rücksicht zu nehmen – die Texte entstanden damals um der Texte willen und nicht um daraus Musik zu machen. Dieses „puristische“ Stadium (nur Stimme – seitenweise Text – ohne Refrain – ohne Musik) war der Anfang des ganzen Projekts und jene Phase der seitenlangen Gedichte lässt sich weniger als Musik einordnen und ist wohl am ehesten mit Poetry-Slam zu vergleichen. Das was am Ende auf dem Album gelandet ist – hat aber überhaupt nichts mehr damit zu tun und ich habe im Grunde auch sonst keine Verbindung zu Poetry-Slam.

Wer oder was inspiriert dich?

Ich denke immer viel in Bildern und viel bildhafte Inspiration nehme ich aus Filmen. Daher kommt sicherlich auch das Faible für das Storytelling. Musikalisch gibt es für mich keine Grenze für Inspiration – ein Text – ein Sound – ein Instrument – eine Melodie – ein Ton – eine Emotion. Alles was mich eben trifft.

Was für eine Herangehensweise beziehungsweise welche Vision hattest du für dein Debüt-Album?

Eine Vision gab es nicht. Am Anfang war ja auch überhaupt gar kein Album geplant. Zunächst nur ein Song unter Freunden – Berlin an der Spree – als größter gemeinsamer Nenner. Anfangs auch nur als Anlass um uns als Freunde wieder öfters zu treffen. Es fiel die Entscheidung gemeinsam ein Video zu drehen. Dieses Video wurde dann immer umfangreicher, es haben immer mehr Freunde und Freunde von Freunden weitere Ideen mit einfließen lassen und das war dann auch der Anlass mehr Musik zu machen. Zwischenzeitlich war eine EP geplant und am Ende wurde es dann doch ein ganzes Album. Rückblickend war das zwar sehr chaotisch aber eben auch sehr befreiend. Denn es gab keinen musikalischen Fahrplan dem man zwingend folgen musste und auch keinen Zeitplan der den Entwicklungsprozess unnötig angetrieben hat. Dadurch hat aber auch das „Gesamtwerk“ erst ganz am Ende Sinn gemacht.

Dem Pressetext ist zu entnehmen, dass dieses Album quasi aus Versehen entstanden ist. Viele einzelne Texte und Klangbilder wurden mit der Zeit zu einem Gesamtwerk. Ist es auch dein Ansatz, dass Kunst nicht auf Kopfdruck planbar ist und erst wachsen muss?

Das sehe ich ganz genau so. Sollte es so einen Knopf geben – habe ich ihn jedenfalls noch nicht gefunden. Natürlich kann man immer einen ordentlichen Text schreiben oder einen Song „handwerklich“ überragend produzieren. Dabei entsteht ja auch schon sehr oft viel Gutes. Und sowieso kann auch nicht jedes Werk ein „Kunstwerk“ sein. Ich finde dennoch, dass das nicht die gängige Herangehensweise sein darf. Manches muss reifen. Das bedeutet oftmals auch, dass man verhindern muss den Weg mit dem geringsten Wiederstand zu wählen.

Wird es eine Tour dazu geben? Sind Live-Termine geplant?

Ob und wann es Brando on stage geben wird ist momentan noch völlig unklar. Das ganze Projekt haben wir als Freundeskreis gestemmt und eben ohne ein großes Label. Daher wird bis zur Album-VÖ noch eine ganze Menge zu tun sein. Sobald das Album „auf der Welt ist“ kann man sich dann mit dem Live-Thema auseinandersetzen.

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Hier könnt ihr euch das Teil vorbestellen.

Photo Credit: Caspar Hees

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